Was ist Tarot – und warum kann es uns helfen?
- Isabella Pörschke

- 9. Aug.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Aug.

Tarot ist mehr als Zukunftsvorhersage. Mehr als Esoterik. Und vor allem: mehr als das, was viele Menschen bisher darüber gehört haben.
Wenn Menschen das Wort Tarot hören, entstehen häufig sofort bestimmte Vorstellungen: Kartenlegen, Wahrsagerei, Schicksal, Hokuspokus oder die Frage, was in der Zukunft passieren wird.
Manche Menschen stehen Tarot deshalb grundsätzlich skeptisch gegenüber. Andere verbinden es mit etwas, das nicht zu ihren persönlichen Überzeugungen passt – beispielsweise mit Religion oder der Bibel. Und wieder andere können sich einfach nicht vorstellen, welchen Nutzen Tarot überhaupt haben soll.
Ich kann das verstehen.
Denn wenn man Tarot nur als Methode betrachtet, mit der jemand anhand von Karten die Zukunft vorhersagen möchte, ist es tatsächlich schwierig zu verstehen, warum Tarot für die persönliche Entwicklung interessant sein könnte.
Aber Tarot kann ganz anders verstanden und angewendet werden.
Tarot ist keine Schublade
Eine Tarotkarte sagt nicht einfach: „Das bist du.“
Und sie entscheidet auch nicht: „Das wird passieren.“
Tarot kann vielmehr einen Raum öffnen, in dem wir unsere aktuelle Lebenssituation betrachten können.
Wir Menschen denken und fühlen nämlich nicht ausschließlich in Worten.
Manchmal wissen wir genau, dass etwas in uns arbeitet, können aber nicht erklären, was es ist.
Wir spüren eine Veränderung.
Eine Sehnsucht.
Eine Angst.
Einen inneren Konflikt.
Wir wissen vielleicht, dass wir eine Entscheidung treffen müssen, finden aber keinen Zugang zu dem, was wir eigentlich wollen.
Manches lässt sich schwer in Worte fassen.
Bilder und Symbole können dabei eine andere Form des Zugangs ermöglichen.
Eine Tarotkarte kann einen Gedanken auslösen, eine Erinnerung wachrufen, eine Emotion berühren oder eine neue Perspektive eröffnen.
Vielleicht siehst du eine Karte und denkst:
„Genau das ist gerade mein Thema.“
Vielleicht denkst du aber auch:
„Nein, überhaupt nicht.“
Beides kann interessant sein.
Denn auch unsere Reaktion auf ein Symbol kann uns etwas über unsere eigene Wahrnehmung erzählen.
Tarot als Symbolsprache

Tarot besteht aus Bildern.
Und Bilder können eine andere Sprache sprechen als reine Worte.
Die Karten enthalten Symbole, Figuren, Farben, Situationen und archetypische Motive. Sie erzählen von Themen, die Menschen seit jeher beschäftigen: Liebe, Verlust, Neubeginn, Angst, Mut, Veränderung, Einsamkeit, Hoffnung, Macht, Entscheidungen und Transformation.
Hier wird auch die Verbindung zu Carl Gustav Jung interessant.
Der Schweizer Psychiater und Psychotherapeut C. G. Jung beschäftigte sich intensiv mit Symbolen, Träumen, Mythen und Archetypen. Archetypen beschreiben vereinfacht gesagt grundlegende psychische Muster und Bilder, die sich in unterschiedlichen Kulturen und menschlichen Erfahrungen wiederfinden.

Jung beschäftigte sich außerdem intensiv mit der Alchemie und interpretierte sie unter anderem als symbolischen Ausdruck psychischer Transformation.
Auch im Tarot finden wir zahlreiche Bilder von Transformation.
Tod und Wiedergeburt.
Zerstörung und Neubeginn.
Loslassen und Wachstum.
Chaos und Ordnung.
Der Weg des Narren durch die großen Arkana kann beispielsweise als symbolische Reise durch unterschiedliche menschliche Erfahrungen gelesen werden.
Hat C. G. Jung an Tarot geglaubt?
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Es wäre nicht korrekt zu behaupten, Jung habe Tarot im Sinne einer wissenschaftlich bewiesenen Methode zur Zukunftsvorhersage verstanden.
Jung beschäftigte sich jedoch mit Tarot und insbesondere mit den symbolischen und archetypischen Zusammenhängen, die darin zu finden sind. Seine Schriften zeigen sein großes Interesse an Symbolen, Synchronizität, Alchemie und psychischer Transformation.
Deshalb ist die Verbindung zwischen Jung'scher Psychologie und Tarot durchaus interessant – aber sie sollte nicht übertrieben dargestellt werden.
Tarot ist keine von Jung entwickelte psychologische Methode.
Und Tarot ist auch keine wissenschaftlich bestätigte Methode zur Vorhersage zukünftiger Ereignisse.
Interessant wird Tarot vielmehr dort, wo wir uns mit der Wirkung von Symbolen, Bildern, Assoziationen und Selbstreflexion beschäftigen.
Was passiert, wenn wir eine Tarotkarte betrachten?

Stell dir vor, du ziehst eine Karte.
Darauf siehst du beispielsweise eine Person, die allein auf einem Berg steht.
Was löst dieses Bild in dir aus?
Vielleicht denkst du an Einsamkeit.
Vielleicht an Freiheit.
Vielleicht an Rückzug.
Vielleicht an eine Phase in deinem Leben, in der du Abstand von anderen Menschen gebraucht hast.
Vielleicht erinnert dich die Karte an eine Entscheidung, die du gerade treffen musst.
Die Karte selbst hat dabei nicht deine Gedanken „erfunden“.
Sie hat einen Impuls gegeben, über den du nachdenken kannst.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Tarot muss nicht etwas in dich „hineinlesen“.
Es kann dir helfen, etwas aus dir herauszuholen.
Zeigt Tarot die Zukunft?
Für mich ist Tarot keine festgeschriebene Zukunftsschau.
Eine Tarotlegung kann vielmehr als Momentaufnahme verstanden werden.
Sie kann die aktuelle Situation, vorhandene Themen, mögliche Entwicklungen oder unterschiedliche Handlungswege symbolisch darstellen.
Aber unsere Zukunft ist nicht unabhängig von unseren Entscheidungen.
Wir verändern unsere Situation durch unser Denken, unser Handeln, unsere Grenzen, unsere Entscheidungen und unsere Bereitschaft, etwas zu verändern.
Deshalb sollte eine Tarotlegung niemals bedeuten:
„Die Karten haben gesagt, dass es so kommt, also muss es so sein.“
Viel hilfreicher finde ich die Frage:
„Wenn ich so weitermache wie bisher – wohin könnte dieser Weg führen?“
Und:
„Was kann ich selbst verändern?“
Denn am Ende entscheiden nicht die Karten über unser Leben.
Wir tun es.
Tarot kann einen anderen Blickwinkel schenken
Wenn wir selbst mitten in einer schwierigen Situation stecken, sehen wir oft nur einen kleinen Ausschnitt.
Unsere Ängste, Erwartungen und bisherigen Erfahrungen beeinflussen unsere Wahrnehmung.
Eine Tarotlegung kann dabei helfen, für einen Moment Abstand zu gewinnen.
Nicht, weil die Karten eine absolute Wahrheit liefern.
Sondern weil sie einen anderen Blickwinkel ermöglichen.
Eine Person, die dir die Karten legt, kann Fragen stellen, Zusammenhänge ansprechen und Gedanken in Worte fassen, die du selbst vielleicht noch nicht formulieren konntest.
Und manchmal ist genau das unglaublich entlastend.
Denn wir müssen nicht immer alles alleine herausfinden.
Wenn Worte fehlen

Manchmal fühlen wir sehr viel, können aber kaum in Worte fassen, was eigentlich in uns passiert.
Vielleicht stehen wir vor einer Entscheidung, erleben eine Trennung, befinden uns beruflich an einem Wendepunkt oder spüren einfach: „Etwas in meinem Leben möchte sich verändern.“
Tarot kann helfen, diese innere Bewegung sichtbar zu machen – nicht als Diagnose oder Therapie, sondern als Impuls zur Selbstreflexion.
Tarot als Ergänzung zu anderen Erfahrungen

Auch nach Yoga, Meditation, Massage oder Breathwork kann Tarot einen wertvollen Moment der Reflexion schaffen.
Was hat mich berührt?Was möchte ich aus dieser Erfahrung mitnehmen?Was darf ich loslassen?
Die Karten müssen dabei nichts „erklären“. Sie können helfen, mit dem Erlebten bewusster in Kontakt zu bleiben und neue Gedanken entstehen zu lassen.
Vertrauen entsteht mit der Zeit
Viele Menschen tragen persönliche Themen mit sich herum, möchten sich aber nicht sofort einer fremden Person öffnen. Das ist verständlich.
Genau deshalb möchte ich mit meinem Instagram-Kanal https://www.instagram.com/bellastarotberatung/ zunächst einen Raum schaffen, in dem du mich und meine Arbeit kennenlernen kannst – meine Haltung zu Tarot, meine Arbeitsweise und das, wofür Bellas Tarot Beratung steht.
Für mich bedeutet Tarot nicht, einem Menschen sein Leben aus der Hand zu nehmen.
Tarot ist kein Hokuspokus – aber auch keine Wissenschaft
Ich möchte niemanden davon überzeugen, dass Tarot „funktionieren muss“. Du musst nicht an magische Kräfte glauben und darfst Tarot kritisch hinterfragen.
Für mich liegt die Stärke des Tarot darin, dass Bilder, Symbole und ein bewusst geführtes Gespräch einen Raum für neue Perspektiven und Selbstreflexion schaffen können.
Tarot und Religion
Tarot wird manchmal vorschnell mit Wahrsagerei oder Vorstellungen verbunden, die nicht mit den eigenen religiösen Überzeugungen vereinbar sind.
Ich finde es wichtig, Tarot nicht in eine einzige Schublade zu stecken. Nicht jede Tarotberatung ist Wahrsagerei und nicht jede Tarotberaterin arbeitet mit demselben Weltbild.
Du musst nicht selbst an Tarot glauben oder es für dich nutzen, um dich trotzdem offen damit auseinanderzusetzen und zu verstehen, warum es für andere Menschen wertvoll sein kann.
Tarot ersetzt keine Psychotherapie
Eine Tarotberatung ersetzt keine Psychotherapie und keine medizinische oder psychiatrische Behandlung.
Sie kann jedoch eine ergänzende Möglichkeit zur Selbstreflexion sein – neben vielen anderen Wegen wie Journaling, Meditation, Yoga, Coaching, Körperarbeit oder kreativen Methoden.
Was einem Menschen hilft, muss nicht automatisch für einen anderen funktionieren.
Die Karten entscheiden nicht über dein Leben
Die Karten haben nicht das letzte Wort. Du hast es.
Tarot kann etwas spiegeln, Fragen aufwerfen, einen blinden Fleck sichtbar machen oder eine Situation aus einem neuen Blickwinkel zeigen.
Aber keine Karte kann dir eine Entscheidung abnehmen oder deine Zukunft festlegen.
Wir befinden uns ständig in Veränderung. Wir wachsen, zweifeln, lassen los und beginnen neu.
Tarot kann ein Werkzeug sein, um diese Veränderungen bewusster wahrzunehmen.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nicht:
„Was wird passieren?“
Sondern:
„Was möchte ich mit dem, was gerade ist, machen?“
Denn genau darin sehe ich die Stärke von Tarot: Nicht darin, unser Leben für uns zu bestimmen, sondern uns dabei zu unterstützen, unser eigenes Leben bewusster zu betrachten.
Die Karten geben uns nicht unsere Macht zurück – sie erinnern uns daran, dass sie die ganze Zeit bei uns war.


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